Medienkonzept

Medienkonzept der Sekundarschule weist den Weg in die digitale Zukunft

Es ist Dienstagmorgen. Die drei Schüler Melano Dauks, Lukas Wenzel und Dennis Goepel haben Unterricht im Fach Wahlpflicht Naturwissenschaften. Ihre heutige Aufgabe: Einen Vortrag zu Sportverletzungen halten. Wurden früher auf Basis von Büchern noch Plakate und handschriftliche Handouts angefertigt, so mussten die Jungen in den letzten Schulstunden im Internet recherchieren und eine PowerPoint-Präsentation zu ihrem Thema erstellen. Ihr Vortrag wird somit in dieser Stunde durch eine digitale Präsentation im Hintergrund begleitet, wodurch gegebene Informationen für die Mitschülerinnen und Mitschüler durch Bilder, Grafiken und Animationen zusätzlich verständlich gemacht werden können.

Ein neues Medienkonzept wird entworfen

Dies ist nur eines von vielen Beispielen, das belegt, dass die Digitalisierung Einzug in den Unterrichtsalltag der Sekundarschule Pr. Oldendorf erhalten hat. Grundlage hierfür ist ein neues Konzept, das den Umgang und die Anwendung digitaler Medien im Unterricht beschreibt. Ausgearbeitet hat dieses Konzept EDV- und Medienkoordinatorin Ines Hellberg in Kooperation mit ihrem Stellvertreter Christian John und der didaktischen Leiterin Jana thor Straten. Frau Hellberg betont: „Deutlich wird in diesem Konzept, dass wir hier in der Schule nicht einfach nur Informatikunterricht im Computerraum anbieten, sondern dass unterschiedliche digitale Medien in allen Unterrichtsfächern auf vielfältige Art und Weise eingesetzt werden können und müssen“. Lang hat sie an diesem Konzept gearbeitet und von den vielen Fachvorsitzenden Informationen eingeholt, wo und wie digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden können, bevor die Endversion des Konzepts von der Schulkonferenz verabschiedet wurde: „Das Konzept hat eine klare Linie durch die Kernlehrpläne aller Fächer“ ergänzt sie. So trifft man nicht selten auf Schülerinnen und Schüler, die mit einem Tablet durch die Schule gehen, um mit Geräuschvertonung von Videos zu experimentieren – Teil des medialen Unterrichts von Herrn John im Fach Darstellen und Gestalten.

Digitalboards statt Kreidetafeln

Das Medienkonzept ist so ausgelegt, dass mit digitalen Medien regelmäßig im Unterricht gearbeitet wird. Aus diesem Grund findet man in der Schule auch keinen Klassenraum mehr, in dem eine Kreidetafel aufgestellt ist. Fast alle Klassen- und Fachräumen sind mittlerweile mit digitalen Smartboards ausgestattet. Der Austausch von Kreidetafeln durch Smartboards erfolgte natürlich nicht in einem Rutsch. Zu groß ist die Schule, als dass alle Boards gleichzeitig installiert werden konnten. Aus diesem Grund hat die Schule digitale Boards unterschiedlicher “Generationen“. Die beamerunterstützten Smartboards werden aber kontinuierlich gegen neuere Prowise-Boards getauscht, die deutlich mehr Funktionen und Möglichkeiten bieten. „Die beamerunterstützten Smartboards waren zu fehleranfällig und somit zu wartungsintensiv. Aus diesem Grund gibt es jetzt nur noch touchgestützte Boards“, sagt Frau Hellberg. Leider müssen die Boards alle fünf bis sieben Jahre durch ein neues Gerät ersetzt werden, was der Schulträger im Rahmen des Digitalpaketes der Bundesregierung umsetzen möchte. Natürlich bleiben die klassischen Medien wie Bücher und Hefte parallel Bestandteil jeden Unterrichts.

Arbeiten mit Office und Teams

Es sei in der heutigen Gesellschaft unabdingbar, dass die Schülerinnen und Schüler den Umgang mit digitalen Medien als Schlüsselqualifikation lernen. Die Annahme, dass die heutigen Kinder automatisch mit digitalen Medien umgehen könnten, sei nicht richtig: „Die Schülerinnen und Schüler lernen bei uns, wie man gezielt und selbstverantwortlich im Internet recherchiert und wie man effektiv mit Office-Programmen arbeitet. Man darf nicht voraussetzen, dass die Kinder diese Fähigkeiten von Zuhause mitbringen“. Neu ist in diesem Zusammenhang auch die Kommunikationsplattform “Teams“. Alle Schülerinnen und Schüler besitzen eine eigene eMail-Adresse im Schulnetzwerk. Diese ermöglicht ihnen die Nutzung von Office 365, wodurch ihnen Anwendungen wie Word, Excel, Powerpoint, Outlook und Teams zur Verfügung stehen. Dadurch können sie auch Zuhause arbeiten. Durch Teams ist ein verlässlicher Austausch möglich und die Schülerinnen und Schüler haben die Chance, jederzeit auf Unterrichtsmaterialien und –inhalte zuzugreifen, um etwas nachzuarbeiten, wenn sie zum Beispiel die Schule nicht besuchen konnten. In einer Lehrerkonferenz wurde festgelegt, dass jede Lehrkraft ihren Kurs / Fach in Teams anlegt, was mittlerweile auch sehr gut funktioniert. Gerade diese Kommunikationsmöglichkeiten, die auch das Homeschooling in Corona-Zeiten ermöglichen, wurden in der Qualitätsanalyse, die im Oktober stattfand, besonders positiv hervorgehoben.

Fragebögen zur Bestandsaufnahme

Digitale Medien kann man natürlich Zuhause nur nutzen, wenn man auch den Zugang dazu hat. Dies ist allerdings nicht bei allen Mädchen und Jungen der Fall. Um hier Chancengleichheit zu bieten, wurde nach den Sommerferien eine detaillierte Umfrage unter den Schülerinnen und Schülern gemacht. Entworfen hat diesen Fragenkatalog Frau thor Straten. Ziel war es, die aktuellen digitalen Arbeitsbedingungen außerhalb des Schulgebäudes zu ermitteln und festzustellen, bei wem Bedarf z.B. an einem Endgerät besteht. In diesem Zusammenhang hat die Schule 49 Laptops angeschafft, die im Falle eines Lockdowns an die ausstattungstechnisch am schlechtesten aufgestellten Kinder auf Leihbasis ausgegeben werden können. Keinen Einfluss hat man dagegen auf teilweise sehr schlechte Internetverbindungen der Kinder zu Hause und hofft auf den vom Bund in Auftrag gegebenen Breitbandausbau.

Schulung medialer Kompetenzen

Das Medienkonzept dient auch dazu zu gewährleisten, dass mediale Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler gefördert und gefordert werden. Der Medienkompetenzrahmen des Landes NRW, der als Grundlage des Medienkonzeptes dient, sieht vor, dass die Schülerinnen und Schüler bis zur zehnten Klasse in der Lage sein müssen, digitale Medien nicht nur zu bedienen, sondern mit ihnen auch verantwortungsbewusst umzugehen. Um diese Vorgabe erfüllen zu können, hat Frau Hellberg das Kollegium der Schule mithilfe eines Evaluationsbogens beauftragt darzustellen, wie die medialen Kompetenzen im Unterricht bisher berücksichtigt wurden und was zukunftsorientiert angeboten werden soll, um diese Vorgaben umzusetzen. Ihr war es dabei besonders wichtig, eine Verbindlichkeit herzustellen, dass diese Ideen und Ansätze auch verlässlich und regelmäßig im Unterricht umgesetzt werden. Und zwar von allen Lehrkräften. Aus diesem Grund werden für die Lehrkräfte schulinterne Fortbildungen angeboten, um die Lehrkräfte im Umgang mit Hardware und Software zu schulen. Damit dies gezielt geschehen kann, wurde vorab eine Bedarfsfrage gestellt: Wer benötigt eine Einführung in die Funktionen des Prowise-Boards? Wer hat Interesse an einer Vertiefung in Teams? Darauf basierend wird nun ein Fortbildungsprogramm für das Kollegium aufgestellt, z.B. in Form interner Workshops oder externen Anbietern.

Zudem bekommt jede (!) Lehrkraft in naher Zukunft einen eigenen Laptop, der allerdings nur in der Schule verwendet oder im Falle eines Lockdowns mit nach Hause genommen werden darf. Diese Laptops sind kompatibel mit den Prowise-Boards, was die Anwendung im Unterricht erleichtert.

Zukunftsorientierung

Nun beginnt für Ines Hellberg die Zeit der regelmäßigen Evaluation hinsichtlich der Umsetzung ihres Medienkonzeptes, denn in drei Jahre muss das nächste Konzept vorgelegt werden. Bis dahin gilt es zu schauen, ob die aktuellen Inhalte umsetzbar sind, wo es Probleme gibt und an welchen Stellen nachgebessert werden kann und muss. Die Sekundarschule ist mit ihrem Konzept für die Zukunft auf jeden Fall sehr gut aufgestellt: Lernen und Lehren im digitalen Wandel kann nun auf Grundlage des Medienkonzeptes fundiert umgesetzt werden.